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Vertrauensmodell

Zusammenfassung. Das Vertrauensmodell legt fest, wem TrustBridge vertraut, gegen wen es sich schützt und was ein Angreifer erreicht, der eine einzelne Komponente übernimmt. Kern ist in jeder Organisation eine kleine Vertrauensbasis aus CA-Worker, Sicherheitsmodul, Offline-Wurzel und den persönlichen Freigabe-Schlüsseln. Datenbank, Verwaltung, Verteilung und Webdienste liegen außerhalb; ihre Kompromittierung führt zu Verzögerung oder Einsicht, nicht zu unberechtigten Zertifikaten. Zwischen Organisationen gilt: Vertrauen ist zweiseitig, je Richtung festgelegt und wird nicht über Dritte weitergegeben. Und ein Zertifikat ist keine Berechtigung: Es belegt, wer spricht, nicht, was erlaubt ist.

Begriffe

  • Schutzgut – was zu schützen ist.
  • Vertrauensbasis – Komponenten, deren Kompromittierung unberechtigte Ausstellung oder Statusaussage ermöglicht.
  • Vertrauensanker – Zertifikat, dem eine prüfende Gegenstelle ohne weitere Prüfung vertraut; in TrustBridge das Wurzelzertifikat einer Organisation oder das Zertifikat einer ausstellenden CA, das eine Vertrauensbeziehung ausdrücklich zulässt.
  • Namensbeschränkung – Erweiterung nameConstraints (RFC 5280, Abschnitt 4.2.1.10) in einem CA-Zertifikat, die festlegt, welche Namen in nachgeordneten Zertifikaten zulässig sind.
  • Vertrauensbeziehung – Vereinbarung zwischen genau zwei Organisationen, die Vertrauensanker der anderen Seite für bestimmte Dienste und Zwecke anzuerkennen.
  • Beziehungsrichtlinie – die Festlegungen einer Organisation für eine Richtung einer Vertrauensbeziehung: Dienste, Zweck, kryptographische Anforderungen, Dauer, Änderungsrecht, Widerruf.
  • Berechtigung – die Entscheidung einer Zielanwendung, ob eine bestimmte Operation für eine geprüfte Identität erlaubt ist.
  • Prüfer-Vertrag – die Regeln, die eine prüfende Gegenstelle einhalten muss, damit die Sicherheitszusagen bei ihr wirken.

Schutzgüter

Schutzgut, nach GewichtBedrohungFolge bei Verletzung
Identitätsbindung über Partnergrenzenein Partner gibt sich als anderer ausZugriff auf Bestellungen, Steuerdaten oder Aktualisierungen eines anderen Unternehmens
Grenze jeder Vertrauensbeziehungein Partner erweitert eine Beziehung über ihren Zweck hinaus oder reicht sie an Dritte weiterZugriff von Organisationen, mit denen nie eine Beziehung vereinbart wurde
CA-SchlüsselDiebstahl oder Missbrauchbeliebige Ausstellung bis zum Austausch der CA
Sperrstatus und WiderrufUnterdrückung oder Verzögerungkompromittierte Systeme oder beendete Beziehungen bleiben vertrauenswürdig
Vertraulichkeit der VerbindungenAufzeichnung heute, Entschlüsselung späterOffenlegung von Geschäftsdaten nach Jahren
Vertraulichkeit der MandantendatenEinsicht in Inventar und AnträgeOffenlegung von Lieferbeziehungen und Systemlandschaft
VerfügbarkeitAusfall von Ausstellung, Statusauskunft oder SchlüsselagentenAbläufe der Lieferkette stehen still; Prüfungen scheitern

Nicht im Modell: Anforderungen der Web-PKI, beliebige Teilnehmer des Internets als Antragsteller, Lastangriffe aus dem Internet auf die Ausstellung.

Angreifer

AngreiferAnnahme über seine Fähigkeiten
Externer Angreifererreicht die Enrollment-Schnittstellen, die Verteilung und die Schlüsselagenten über das Netz; zeichnet Verkehr auf
Kompromittierter oder böswilliger Partnerbesitzt gültige Zertifikate und eine eigene CA im eigenen Namensraum; hat eigene Beziehungen zu Dritten
Kompromittierter Online-Dienstvolle Kontrolle über Verwaltung, Enrollment oder Verteilung
Datenbankadministrator oder kompromittierte Datenbankkann jede Zeile lesen, ändern, löschen und Hash-Ketten neu berechnen
Betriebspartner im Modell Managedbetreibt Rechner und Dienste einer Organisation im vereinbarten Umfang
Fehlkonfigurationfalsche Profilvorlage, falsche Rechte, falsch konfigurierte Gegenstelle oder Beziehungsrichtlinie
Innentäter mit Freigaberechtbesitzt einen persönlichen Freigabe-Schlüssel

Vertrauensbasis

graph TD
  subgraph AUS [Außerhalb der Vertrauensbasis]
    ADM[Verwaltungsanwendung] --> VW[Verwaltung]
    EN[Protokolladapter]
    VW --> DB[(Datenbank)]
    EN --> DB
    VT[Verteilung]
  end
  subgraph TCB [Vertrauensbasis]
    RW[Regelwerk]
    FS[Persönliche<br/>Freigabe-Schlüssel]
    EA[Enrollment-Attestierung<br/>nur automatische Klassen]
    RT[Offline-Wurzel]
    WK[CA-Worker<br/>Host, Konto, Uhr]
    REG[Register]
    HSM[Sicherheitsmodul]
  end
  PRF[Prüfende Gegenstelle<br/>letzte Linie]
  DB -->|ungeprüfte Eingabe| WK
  RW --> WK
  FS ==>|Freigabe| WK
  EA ==>|Attestierung| WK
  RT -.->|CA-Zertifikat| WK
  WK --> REG
  WK ==>|signiert| HSM
  WK -->|Sperrliste| VT
  VT --> PRF
  classDef tcb fill:#fde7e9,stroke:#a4262c,color:#201f1e
  classDef aus fill:#f3f2f1,stroke:#605e5c,color:#201f1e
  classDef par fill:#deecf9,stroke:#0078d4,color:#201f1e
  class WK,RW,REG,HSM,FS,RT,EA tcb
  class DB,VW,EN,VT aus
  class ADM,PRF par
  style AUS fill:#ffffff,stroke:#8a8886,color:#201f1e
  style TCB fill:#ffffff,stroke:#8a8886,color:#201f1e

Jede Organisation hat ihre eigene Vertrauensbasis. Die Vertrauensbasis einer Organisation ist nie Teil der Vertrauensbasis einer anderen: Eine Beziehung erkennt nur Vertrauensanker an, sie teilt keine Schlüssel, Freigeber oder Register.

Die prüfende Gegenstelle ist die letzte Linie: Die Namensbeschränkung im CA-Zertifikat wirkt nur, wenn sie dort durchgesetzt wird. Der TLS-Adapter von TrustBridge setzt sie selbst durch.

Kompromittierungsanalyse

KompromittiertErreichbarNicht erreichbarBegrenzende Maßnahme
DatenbankVerzögerung, Einsicht, Unterdrücken von AufträgenAusstellung, Entsperren, gefälschte SperrlisteWorker prüft Freigabe gegen Regelwerk; Sperrung ist monoton im Register; Verteilung prüft Signaturen
VerwaltungAufträge vorschlagen, stornieren, Sperren auslösen, Mandantendaten lesenAusstellung ohne Freigabe-SchlüsselFreigabe ist Signatur, Freigeber stehen im Regelwerk
Verwaltungsanwendung eines Mitarbeiterswie Verwaltung im Rahmen seiner Rechte; mit seinem Freigabe-Schlüssel Freigabe eigener AnträgeFreigabe in Klassen mit Zwei-Personen-Regelzweiter Freigeber; Freigabe-Schlüssel auf eigenem Hardware-Träger
EnrollmentAusstellung in automatischen Klassen, im Namensraum des Partners, kurze LaufzeitCA-Zertifikate, fremde Mandanten, manuelle KlassenRegelwerk begrenzt automatische Klassen
Verteilungältere, noch gültige Sperrliste ausliefernFälschungSignatur der Sperrliste; Gegenstelle lehnt abgelaufene Liste ab
Partner-AdministratorAusstellung im eigenen Namensraum mit Freigabe einer ihm zugeordneten Personfremder Namensraum; Beziehungen, die die andere Seite nicht anerkannt hatnameConstraints, Prüfer-Vertrag, Beziehungsrichtlinie der Gegenseite
Schlüsselagent eines RechnersGeheimnisse der Verbindungen dieses RechnersGeheimnisse anderer Rechner, ZertifikatsausstellungGeheimnis verlässt den Rechner nie; Sperrung des Agentenzertifikats beendet alle seine Beziehungen
Betriebspartner im Modell ManagedVerfügbarkeit, Einsicht in Betriebsdaten im vereinbarten UmfangAusstellung ohne Freigabe der Organisation, Geheimnisse der AgentenFreigeber stammen nur aus der Organisation selbst; Betrieb ist kein Schlüsselbesitz
CA-Worker oder SicherheitsmodulAusstellung mit den vorhandenen CA-SchlüsselnWurzel, andere Generationen ohne deren SchlüsselSperrung der CA durch die Wurzel; Erkennung über Signaturzähler
Offline-Wurzelvollständige Kompromittierung der Hierarchie dieser OrganisationHierarchien anderer Organisationenphysische Sicherung, Mehrpersonenregel, Neuaufbau; Partner widerrufen die Beziehung

Warum eine kompromittierte Datenbank oder Verwaltung nicht ausstellen kann

graph TD
  G[Ziel des Angreifers:<br/>gültiges Zertifikat für fremden Namen] --> P1[Auftrag in der Datenbank anlegen]
  P1 --> C1{Freigabe-Signatur<br/>einer im Regelwerk<br/>eingetragenen Person?}
  C1 -- nein --> X1[Worker lehnt ab]
  C1 -- ja, gestohlen --> C2{Name im Namensraum<br/>der gewählten CA?}
  C2 -- nein --> X2[Worker lehnt ab]
  C2 -- nein, Worker umgangen --> X3[Gegenstelle lehnt ab:<br/>nameConstraints]
  C2 -- ja --> R[Zertifikat nur im<br/>eigenen Namensraum]
  classDef x fill:#dff6dd,stroke:#107c10,color:#201f1e
  classDef r fill:#fde7e9,stroke:#a4262c,color:#201f1e
  class X1,X2,X3 x
  class R r
  classDef neu fill:#f3f2f1,stroke:#605e5c,color:#201f1e
  class C1,C2,G,P1 neu

Die Argumentationskette im Einzelnen:

  1. Ein Zertifikat entsteht nur, wenn der Worker signiert. Der Worker ist von außen nicht erreichbar; ein Angreifer kann ihm nur Aufträge über die Datenbank vorlegen.
  2. Der Worker vertraut keinem Inhalt der Datenbank. Er prüft die Freigabe-Signatur mit öffentlichen Schlüsseln aus seinem lokalen Regelwerk. Wer die Datenbank beherrscht, kann keinen Freigeber hinzufügen.
  3. Die Freigabe gilt für genau einen Auftragshash. Eine alte Freigabe auf einen neuen Auftrag zu übertragen scheitert, weil sich der Hash ändert; jeder Auftrag wird höchstens einmal ausgeführt und hat eine Frist.
  4. Der Worker prüft den Namen gegen den Namensraum der CA. Selbst bei einem Fehler im Worker greift die Namensbeschränkung im CA-Zertifikat bei der Gegenstelle.
  5. Sperrungen sind im Register monoton. Eine Datenbank, die eine Sperrung „vergisst“, ändert die nächste Sperrliste nicht; die Verteilung liefert nur korrekt signierte Listen mit steigender Nummer.

Grenzen dieser Argumentation. Sie hält nicht stand gegen: einen Freigeber, der zugleich Verwaltung oder Datenbank kontrolliert, in Klassen mit nur einer Freigabe; den Administrator des Worker-Hosts, der das Regelwerk ändern kann; eine Gegenstelle, die nameConstraints nicht durchsetzt. Diese Restrisiken werden organisatorisch begrenzt (Zwei-Personen-Regel, Vier-Augen-Prinzip am Worker-Host, Prüfer-Vertrag mit Testzertifikaten).

Zertifikat und Berechtigung

Ein gültiges Zertifikat beantwortet eine einzige Frage: Wer spricht? Ob das, was diese Identität tun will, erlaubt ist, entscheidet TrustBridge nicht. Sechs Dinge werden deshalb auseinandergehalten:

BegriffBelegtWer entscheidet
Identität der Organisationdieses Zertifikat stammt aus der Hierarchie von Organisation BVertrauensanker in der Beziehung
Identität des Dienstesdieses System ist erp.b.example im Namensraum von BdNSName und Namensbeschränkung
Zertifikatdie Zertifizierungsstelle von B hat diese Zuordnung bestätigtCA-Worker von B
Besitz des privaten Schlüsselsdie Gegenstelle hält den passenden privaten Schlüssel jetztSignatur im TLS-Handshake
BeziehungsrichtlinieA hat B für diesen Dienst und Zweck zugelassenOrganisation A, für ihre Richtung
Berechtigunggenau diese Operation auf genau diesen Daten ist erlaubtZielanwendung von A, etwa der Database Gateway
graph TD
  V[Verbindung von B] --> K1{Kette bis zu einem<br/>Anker der Beziehung?}
  K1 -- nein --> X1[TLS-Adapter lehnt ab]
  K1 -- ja --> K2{Dienst und Zweck in<br/>der Richtlinie von A?}
  K2 -- nein --> X2[TLS-Adapter lehnt ab]
  K2 -- ja --> K3{Operation für diese<br/>Identität berechtigt?}
  K3 -- nein --> X3[Anwendung lehnt ab]
  K3 -- ja --> OK[Operation wird ausgeführt<br/>und protokolliert]
  classDef onl fill:#f3f2f1,stroke:#605e5c,color:#201f1e
  classDef auth fill:#fff4ce,stroke:#8a6d00,color:#201f1e
  classDef par fill:#deecf9,stroke:#0078d4,color:#201f1e
  classDef x fill:#dff6dd,stroke:#107c10,color:#201f1e
  class V par
  class K1,K2 onl
  class K3,OK auth
  class X1,X2,X3 x

Erst die dritte Prüfung öffnet Daten. Wer ein gültiges Zertifikat stiehlt, ohne den privaten Schlüssel zu besitzen, scheitert an der Signatur im Handshake; wer ein Zertifikat samt Schlüssel stiehlt, erhält nur, was die Zielanwendung dieser Identität erlaubt, und nur bis zur Sperrung.

Erweiterte Angreiferszenarien

Die folgenden Szenarien prüfen die Sicherheitszusagen gegen Angriffe, die über die Kompromittierung einer einzelnen Komponente hinausgehen. Die Zusagen sind auf der Seite Sicherheitszusagen beschrieben.

SzenarioAngriffWirkung auf die ZusagenGegenmaßnahmeVerbleibendes Risiko
Kompromittierter Arbeitsplatz der VerwaltungSchadsoftware nutzt Anmeldung und Sitzung eines MitarbeitersS-01 hält, solange der Freigabe-Schlüssel nicht ohne Bestätigung der Person nutzbar ist; S-08 nur im Rahmen der Rechte dieser PersonFreigabe-Schlüssel auf eigener Hardware; Zwei-Personen-Regelverfälschte Anzeige bei Einzelfreigabe
Kopierbares AnmeldegeheimnisDiebstahl des persönlichen SchlüsselsS-10 hält, solange der zweite Faktor nicht ebenfalls abgefangen wirdzweiter Faktor, Herkunftsregeln, AblaufPhishing in Echtzeit
Wiederholung einer Freigabealte Freigabe auf neuen Auftragkeine Wirkung: Freigabe gilt für genau einen AuftragshashBindung an den Hash, Frist, einmalige Ausführung–
Wiederholung eines Auftragsderselbe Auftrag wird erneut vorgelegtkeine Wirkung: der Worker liefert das bereits ausgestellte ZertifikatIdempotenz über den Auftragshash–
Kollusion zweier Freigeberzwei Freigeber geben gemeinsam einen unberechtigten Auftrag freiS-01 verletztFreigeber aus getrennten Organisationseinheiten; Nachweis im Register; Kontrolle der Ausstellungenbleibt; organisatorisch zu begrenzen
Betreiber gibt im Namen eines Lieferanten freiMitarbeiter des Betreibers einer Partner-CA wären zugleich Freigeber des LieferantenBetreiber könnte im Namensraum des Lieferanten ausstellenFreigeber eines Lieferanten stammen nur aus dessen Organisation und geben über das Partnerportal freiKollusion innerhalb der Organisation des Lieferanten
Weitergabe von VertrauenB leitet eine Verbindung von C an A weiter oder stellt C ein Zertifikat ausC erscheint bei A höchstens als System im Namensraum von Bkeine Kreuzzertifikate; A erkennt nur Anker an, die A selbst in die Beziehung aufgenommen hat; NamensbeschränkungB haftet gegenüber A für Systeme in seinem Namensraum
Verwechslung von Vertrauensdomäneneine Gegenstelle vertraut neben TrustBridge auch öffentlichen CAs und erkennt Partner am DNS-Namenein öffentlich ausgestelltes Zertifikat für l.example gälte als Partner LPrüfer-Vertrag Punkt 4: Partner nur über die ausstellende CA; der TLS-Adapter akzeptiert nur Anker der BeziehungGegenstellen ohne TLS-Adapter, die das nicht umsetzen
Überlappende Namensräumezwei Partnern werden überlappende Namensräume zugewiesen (l.example und werk.l.example)S-02 wirkt innerhalb der Überlappung nichtPrüfung auf Überlappung vor jeder Zeremonie und vor jeder neuen Beziehung–
Herabstufung der SignaturEntfernen der Alternativsignatur, nachdem die klassische fälschbar wurdeS-09 hält nur bei Gegenstellen mit verlangter PQ-PrüfungPrüfer-Vertrag Punkt 9; Beziehungsrichtlinie verlangt PQ-Prüfung; kein stiller RückfallGegenstellen ohne PQ-Pflicht
Herabstufung der TLS-SchlüsseleinigungGegenstelle akzeptiert neben hybriden auch rein klassische GruppenVertraulichkeit gegen spätere Entschlüsselung hinge allein am zusätzlichen Geheimnisder TLS-Adapter lässt für TrustBridge-Verbindungen nur hybride Gruppen zu–
Unterdrückung des zusätzlichen Geheimnissesein Mittelsmann entfernt die Erweiterung für den externen PSKVerbindung ohne zusätzliche Schutzschichtder TLS-Adapter bricht ab, wenn die Erweiterung nicht bestätigt wird–
Herabstufung des ProtokollsAntrag über ein schwächeres Enrollment-Protokoll (etwa SCEP statt EST)Erstausstattung schwächer authentisiertzulässige Protokolle je Profilklasse im Regelwerk–
Manipulation des Enrollmentsein Adapter verändert Namen, Laufzeit oder Klasse eines Auftragsder Worker lehnt ab, was der Profilklasse oder dem Namensraum widerspricht; bei automatischen Klassen bleibt die Attestierung im erlaubten Rahmen gültigGrenzen automatischer Klassen im RegelwerkAusstellung innerhalb dieser Grenzen
Direkter Zugriff auf das SicherheitsmodulAdministrator des Worker-Hosts nutzt die Modulanbindung, um am Worker vorbei zu signierenS-01 verletzt, technisch nicht verhindertAbgleich der Signaturzähler mit dem Register (Erkennung); Rollen und Quorum im Modul; Vier-Augen-Prinzip am HostZeitraum bis zur Erkennung
Manipulation der Uhr des WorkersRückdatierung von Zertifikaten oder SperrungenLaufzeiten und Sperrzeitpunkte verfälschtUhr gehört zur Vertrauensbasis; Grenze für Rückdatierung (Vorgabe 5 Minuten)Abweichung innerhalb der Grenze

Prüfer-Vertrag

Jede Gegenstelle, die Zertifikate von TrustBridge prüft, muss:

  1. die vollständige Kette bis zu einem Vertrauensanker der Beziehung prüfen;
  2. basicConstraints und pathLenConstraint prüfen;
  3. nameConstraints aller CA-Zertifikate tatsächlich durchsetzen;
  4. den Partner ausschließlich über die ausstellende CA identifizieren;
  5. das System ausschließlich über den dNSName identifizieren;
  6. keyUsage und extendedKeyUsage prüfen;
  7. die Gültigkeit der gesamten Kette prüfen;
  8. die Sperrliste der ausstellenden CA auswerten und ohne gültige Sperrliste ablehnen;
  9. bei vereinbartem PQ-Schutz zusätzlich die ML-DSA-Alternativsignatur jedes Zertifikats der Kette prüfen und eine Kette ohne passende Alternativsignatur ablehnen;
  10. die Sperrliste im Erzeugungstakt (6 Stunden) neu laden, nicht erst bei ihrem Ablauf.

Der TLS-Adapter von TrustBridge erfüllt alle zehn Punkte. Für Gegenstellen ohne TLS-Adapter liefert TrustBridge Testzertifikate, darunter Zertifikate mit verbotenen Namen, abgelaufener Kette, gesperrtem Status und fehlender Alternativsignatur, die eine korrekt konfigurierte Gegenstelle ablehnen muss.

Seitenkanäle

CA-Schlüssel werden ausschließlich im Sicherheitsmodul genutzt; TrustBridge selbst führt keine Operation mit geheimen CA-Schlüsseln aus. Der Schutz dieser Schlüssel gegen Zeit-, Cache- und Stromseitenkanäle ist eine Eigenschaft des zertifizierten Moduls und ein Auswahlkriterium dafür. Die Schlüsselagenten verwenden für ML-KEM und ML-DSA Implementierungen mit datenunabhängiger Laufzeit.

Gegenseitiges Vertrauen in der Lieferkette

BausteinBedeutung in TrustBridge
Organisation, MandantTrennlinie zwischen Organisationen; jede hat eigene Schlüssel, Freigeber und Register
Partneridentitätausstellende CA mit Namensbeschränkung, in der eigenen Hierarchie des Partners oder als Partner-CA in der Hierarchie des Auftraggebers
Systemidentitätgenau ein DNS-Name im Namensraum des Partners
Gegenseitige AuthentisierungmTLS mit Prüfer-Vertrag auf beiden Seiten, durchgesetzt vom TLS-Adapter
Vertrauensbeziehungbilateral, je Richtung eine Beziehungsrichtlinie, siehe Föderation und bilaterales Vertrauen
BerechtigungSache der Zielanwendung; TrustBridge liefert ihr die geprüfte Identität
Peer BindingBindung des zusätzlichen Post-Quanten-Geheimnisses an die Identität der Gegenstelle, siehe PQ-Schlüsselaustausch für TLS

Topologie der Vertrauensanker

TrustBridge kennt zwei Wege, einen Partner anzubinden. Beide führen zu derselben Prüfung beim TLS-Adapter.

graph TD
  subgraph A [Partner-CA in der Hierarchie des Auftraggebers]
    WA[Wurzel des Auftraggebers] --> CA1[CA Partner 1<br/>nameConstraints]
    WA --> CA2[CA Partner 2<br/>nameConstraints]
  end
  subgraph B [Eigene Hierarchie, bilaterale Anerkennung]
    W1[Wurzel Organisation 1] --> CB1[CA Organisation 1]
    W2[Wurzel Organisation 2] --> CB2[CA Organisation 2]
  end
  CB1 -.->|Anker in der Beziehung,<br/>beschränkt auf Namensraum| CB2
  classDef s fill:#f3f2f1,stroke:#605e5c,color:#201f1e
  class WA,CA1,CA2,W1,W2,CB1,CB2 s
  style A fill:#ffffff,stroke:#8a8886,color:#201f1e
  style B fill:#ffffff,stroke:#8a8886,color:#201f1e
KriteriumPartner-CA in der Hierarchie des AuftraggebersEigene Hierarchie, bilaterale Anerkennung
Geeignet fürPartner ohne eigene PKIPartner mit eigener TrustBridge-Installation oder eigener PKI
Wer hält die Wurzelder Auftraggeberjede Organisation ihre eigene
Freigeber des PartnersPersonen des Partners, über das PartnerportalPersonen des Partners, in seiner eigenen Installation
Durchsetzung der Namensräumeim CA-Zertifikat des Partnersin der Beziehungsrichtlinie und beim TLS-Adapter
Austritt eines PartnersSperrung seiner CA durch die WurzelWiderruf der Beziehung durch jede Seite einzeln
Kreuzzertifikatekeinekeine; Anerkennung wirkt nur in der Beziehung, nicht in Zertifikatsketten Dritter

Ein Partner kann vom ersten Weg zum zweiten wechseln, wenn er eine eigene Installation aufbaut; seine Systeme erhalten dann Zertifikate aus der eigenen Hierarchie, und die Beziehung wechselt den Anker.

Erstausstattung und Attestierung

Bevor ein System sein erstes Zertifikat erhält, muss TrustBridge erkennen, dass es mit dem richtigen System spricht. Die Profilklasse legt fest, welcher Nachweis verlangt wird:

NachweisEinsatz
Vorab hinterlegter Einmalwert mit FristGrundform für Server und Dienste; der Wert wird über einen getrennten Weg an den Verantwortlichen des Systems übergeben
Herstellerzertifikat des Geräts (IEEE 802.1AR)Maschinen und Geräte, deren Hersteller eine Geräteidentität einbringt
Attestierung des Plattformzustands über ein TPMSysteme mit erhöhtem Schutzbedarf

Ein signiertes Softwareartefakt allein belegt keinen sicheren Laufzeitzustand; jeder Nachweis hat eine ausdrückliche Prüfregel im Regelwerk.

Was diese Seite nicht festlegt

  • Keine Berechtigungen. Welche Operation ein Partner ausführen darf, legt die Zielanwendung fest.
  • Kein Nachweis über Herkunft und Stand der Software eines Partners; das ist nicht Aufgabe einer PKI.
  • Keine Identitätsversorgung kurzlebiger Workloads innerhalb eines Rechenzentrums (etwa SPIFFE); TrustBridge identifiziert Systeme und Dienste zwischen Organisationen.
  • Kein Schutz bei Gegenstellen, die den Prüfer-Vertrag nicht umsetzen und keinen TLS-Adapter verwenden.
de/wiki/pqcrypt/trustbridge/trust-model.txt · Last modified: by Claude Test Contributor