Fallstudie: Anbindung eines Lieferanten
Zusammenfassung. Diese Seite verfolgt einen vollständigen Ablauf von Anfang bis Ende: Ein Auftraggeber nimmt einen neuen Lieferanten in seine Lieferkette auf, beide vereinbaren eine Vertrauensbeziehung, das erste System des Lieferanten wird ausgestattet und baut die erste geschützte Verbindung zum Database Gateway des Auftraggebers auf. Später wird ein System kompromittiert und gesperrt, und schließlich endet die Zusammenarbeit. Der Auftraggeber betreibt TrustBridge selbst; der Lieferant, ein kleines Unternehmen, lässt seine Installation von einem Betriebspartner führen. Die Seite zeigt, wer welche Komponenten betreibt und wer wofür verantwortlich ist.
Begriffe
- Auftraggeber – Unternehmen, das Lieferanten in seine Lieferkette aufnimmt und ihnen begrenzten Zugriff auf seine Dienste gewährt.
- Lieferant – Partner, dessen Systeme Zertifikate aus seiner eigenen Hierarchie erhalten.
- Betriebspartner – Unternehmen, das die Installation des Lieferanten im vereinbarten Umfang betreibt.
- Prüfer-Vertrag – Regeln, die eine prüfende Gegenstelle einhalten muss, damit die Sicherheitszusagen bei ihr wirken.
- Erstausstattung – erste Ausstellung für ein System, bei der TrustBridge es noch an keinem Zertifikat erkennen kann.
Beteiligte
| Rolle | Im Beispiel | Betriebsmodell | Betreibt |
|---|---|---|---|
| Auftraggeber | Hersteller H, Database Gateway daten.h.example | Customer Managed | eigene TrustBridge-Installation, TLS-Adapter und Schlüsselagent vor dem Gateway |
| Lieferant | Lieferant L, Namensraum l.example, System lager.l.example | Managed | Systeme mit eigener Schlüsselerzeugung; persönliche Freigabe-Schlüssel und Verwahrer seiner Verantwortlichen |
| Betriebspartner | Betriebspartner P | – | Installation von L: CA-Worker, Sicherheitsmodul-Partition, Online-Dienste, Überwachung |
Verantwortung
| Aufgabe | Auftraggeber H | Lieferant L | Betriebspartner P |
|---|---|---|---|
| Beziehung vereinbaren | lädt ein, legt seine Richtung fest, gibt frei | prüft den Anker von H, legt seine Richtung fest, gibt frei | richtet die Seite von L technisch ein |
| Installation von L aufbauen | – | stellt Verwahrer für die Wurzel-Zeremonie | führt Installation und Zeremonie durch |
| Schlüssel der Systeme erzeugen | – | durchführend | – |
| Aufträge von L freigeben | – | durchführend | – |
| TLS-Adapter und Schlüsselagent bei L | – | stellt den Rechner bereit | installiert und überwacht |
| Berechtigung im Database Gateway | durchführend | – | – |
| Sperrung bei Kompromittierung | widerruft auf Wunsch die Beziehung | meldet, weist Sperrung an | führt Sperrung aus |
| Ende der Zusammenarbeit | widerruft seine Richtung | widerruft seine Richtung | entfernt die Beziehung aus der Installation von L |
Ablauf bis zur ersten Verbindung
sequenceDiagram participant H as Auftraggeber H participant L as Lieferant L participant P as Betriebspartner P participant SL as lager.l.example participant GH as TLS-Adapter und Gateway H Note over H,P: Phase 1: Installation bei L P->>P: Installation, Schlüssel im Sicherheitsmodul L->>P: Verwahrer und Freigeber für die Zeremonie P->>P: Wurzel und ausstellende CA von L mit nameConstraints l.example Note over H,L: Phase 2: Beziehung H->>L: Einladung mit Anker von H und Prüfwert L-->>H: Bestätigung des Prüfwerts über zweiten Kanal, Anker von L H->>H: Richtung H zu L: Dienst daten.h.example, Zweck, PQ-Pflicht, Dauer L->>L: Richtung L zu H: Antwort von daten.h.example zulassen Note over L,SL: Phase 3: Erstes Zertifikat SL->>SL: Schlüsselpaar erzeugen SL->>P: CSR über EST mit Einmalwert L->>P: Freigabe als Signatur über den Auftragshash P-->>SL: Zertifikat und Agentenzertifikat Note over SL,GH: Phase 4: Erste Verbindung SL->>GH: Agenten vereinbaren das zusätzliche Geheimnis SL->>GH: TLS 1.3 mit Zertifikat, PSK und hybrider Gruppe GH->>GH: Kette, nameConstraints, Sperrstatus, Richtlinie GH->>GH: Gateway prüft die Regel für L GH-->>SL: freigegebene Daten
| Phase | Kritischer Punkt | Wie TrustBridge ihn löst |
|---|---|---|
| 1 Installation | Der Betriebspartner darf nicht im Namen von L ausstellen | Freigeber und Verwahrer sind ausschließlich Personen von L; die Sicherheitsmodul-Partition ist nur L zugeordnet |
| 2 Beziehung | Der Anker der Gegenseite darf nicht unterwegs ausgetauscht werden | Prüfwert über einen zweiten Kanal; Aufnahme nur mit Freigabe einer Person |
| 2 Beziehung | H soll nur genau das öffnen, was L braucht | Richtlinie je Richtung: ein Dienst, ein Zweck, eine Dauer |
| 3 Erstes Zertifikat | L muss sein System als echt ausweisen | Einmalwert mit Frist, über einen getrennten Weg an den Verantwortlichen übergeben |
| 4 Verbindung | Zertifikat ist keine Berechtigung | Gateway berechtigt jede Anfrage nach seiner eigenen Regel |
Laufender Betrieb
Die Zertifikate von lager.l.example und seines Schlüsselagenten erneuern sich automatisch über EST,
sobald nur noch ein Drittel ihrer Laufzeit übrig ist. Die Schlüsselagenten von L und H erneuern das gemeinsame Geheimnis
alle zehn Minuten; die TLS-Adapter rotieren die Verbindung spätestens nach einer Stunde, ohne dass die
Anwendung von L eine Unterbrechung bemerkt.
Kompromittierung und Sperrung
sequenceDiagram participant L as Lieferant L participant P as Betriebspartner P participant W as CA-Worker von L participant H as Auftraggeber H participant GH as TLS-Adapter H L->>P: Meldung: lager.l.example kompromittiert L->>P: Sperrauftrag freigegeben P->>W: Sperrung des System- und Agentenzertifikats W->>W: Sperrung im Register, neue Sperrliste L->>H: Information über den Vorfall GH->>GH: neue Sperrliste geladen, Zertifikat abgelehnt H->>H: optional: Beziehung bis zur Klärung aussetzen
Spätestens nach dem nächsten Ladezyklus ist das Zertifikat bei H unbrauchbar. Will H schneller handeln, setzt H seine Richtung der Beziehung aus; das neue Vertrauensbündel erreicht seine TLS-Adapter sofort. Fällt währenddessen die Datenbank von L aus, sperrt P an der Konsole des Worker-Hosts von L, mit Freigabe einer Person von L.
Ende der Zusammenarbeit
H widerruft seine Richtung der Beziehung. Ab sofort kommen keine neuen Verbindungen von L zustande; bestehende enden innerhalb der Frist der Richtlinie. L widerruft ebenfalls seine Richtung. Die Zertifikate von L bleiben für seine Beziehungen zu anderen Auftraggebern gültig. Register und Verbindungsprotokolle bleiben bei beiden Organisationen für den Nachweis erhalten.
Wechselt L später den Betriebspartner oder übernimmt den Betrieb selbst, entsteht in der neuen Umgebung eine neue CA-Generation; H nimmt deren Anker in die Beziehung auf. Private Schlüssel werden dabei nicht herausgegeben.
Varianten der Anbindung
| Variante | Ablauf | Aufwand beim Auftraggeber |
|---|---|---|
| Lieferant mit eigener Installation (wie oben) | bilaterale Beziehung zwischen zwei Installationen | eine Beziehung je Lieferant |
| Lieferant ohne eigene Installation | H stellt eine Partner-CA in seiner Hierarchie mit Namensbeschränkung auf l.example aus; die Verantwortlichen von L geben über das Partnerportal frei | Zeremonie für die Partner-CA; eine Beziehung je Lieferant |
| Lieferant mit bestehender Unternehmens-PKI | L bringt den Anker seiner PKI in die Beziehung ein und stattet die beteiligten Systeme mit TLS-Adapter und Schlüsselagent aus | Prüfung des fremden Ankers und seiner Namensbeschränkung vor der Aufnahme |
Bei der dritten Variante gelten die Zusagen zu Freigabe, Register und Statusauskunft für die Zertifikate, die TrustBridge selbst ausstellt. Für die Ausstellung in der bestehenden PKI bleibt deren Betrieb in der Verantwortung des Lieferanten.
Was diese Fallstudie nicht zeigt
- Keine Vertragsgestaltung zwischen Auftraggeber, Lieferant und Betriebspartner.
- Keine Regeln des Database Gateway im Einzelnen; sie beschreibt die Dokumentation des Gateways.
- Keine Anbindung mehrerer Standorte eines Lieferanten; sie folgt demselben Muster mit einem Namensraum je Standort.